Sie war stehts bemüht…

Jan 18 2013

stets bemüht Kennen Sie diesen Satz? Das ist der berüchtigte und gefürchtete Satz in deutschen Arbeitszeugnissen. Auf den ersten Blick ist er sehr positiv, doch in Wirklichkeit soll er heißen, naja sie wollte, aber sie hat nichts auf die Reihe bekommen… So kann man  diesen Satz auch auf unser Leben übersetzen, das wir jetzt alle so furchtbar gerne nach dem Gesetz der Anziehung leben möchten. Wir möchten…wir möchten schlanker sein, wir möchten reicher sein, wir möchten beliebter sein, wir möchten erfolgreicher sein, wir möchten, wir möchten, wir möchten und wir bemühen uns doch so. Ja wirklich, wir bemühen uns, aber irgendwas will da einfach nicht klappen. Was ist das nur? Warum klappt es gerade bei mir nicht? Nun, darf ich sie auf eine kleine Reise einladen? Ich möchte ihnen gerne eine kleine Geschichte erzählen, machen Sie sich einen Kräutertee, stellen Sie sich Kekse bereit, denn dies hier wird etwas länger. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die das erste Mal in Berührung kommt mit dem Gesetz der Anziehung…

Jenny ging den langen Korridor im Einkaufszentrum längs. Sie nahm den Trubel um sich herum gar nicht richtig wahr. Es war, wie wenn sie in Trance stünde. Einfach gehen, wie auf Watte, die Menschen um sie herum hörte sie von gaaanz weit weg. Sie war schlecht gelaunt. Mal wieder.

Der Typ, auf den sie derzeit stand, nahm sie heute auf Arbeit mal wieder nicht wahr. Wie sollte er auch, sie war eben dick, unscheinbar, schüchtern, bekam kein gescheites Wort heraus, wenn es darauf ankam, total looserhaft. Und so tat sie, was sie meist in solchen Fällen tat. Nein, kein Eis essen, sondern in ihr Lieblings Buch- und CD-Geschäft gehen, sich in den Büchern und in der Musik verlieren, und danach ging es ihr meist besser.

Naja, meist wurde auch ihr Portemonnaie dadurch ein wenig leichter. Aber an diesem Tag bestimmt nicht, sie musste das Geld bis zum Monatsende mal wieder einteilen. Es ist in dieser Stadt aber auch alles so immens teuer… nun ja, sie kam rein, machte wie immer ihre Runde, doch halt…ihre Runde wurde kurz unterbrochen, sie schaute auf einen Titel und es war wie ein Blitz, ein kalter Schauer, der ihrem Rücken entlang fuhr. „Bestellung beim Universum“, hahaha, ja klar. Das ist doch mal einfach. Das, was du möchtest, bestellst du einfach beim Universum, und zack, all deine Probleme sind schlagartig gelöst. Hey, klar geht das so einfach. Sie ging weiter, nein, für so einen Blödsinn hatte sie nun wirklich kein Geld.

Doch irgendetwas wurde plötzlich unruhig in ihr, je weiter sie von dem Buch weg ging. Ja, der Magen schmerzte gerade zu, als wollte er sagen, „Oh Gott, DIE Chance, und du vertust sie einfach so!!!“

Eine Runde, sie kam zurück, blieb wieder am Buch hängen. Hm, man kann ja mal reinlesen. Interessant, und eigentlich ist es ja recht schlüssig.

Nach der zweiten und dritten Runde, nachdem sie sich versicherte, dass der Preis doch eigentlich gar nicht so hoch war, und ein paar Einschränkungen im Rest des Monats auch noch drin waren, hielt sie es nicht aus. Sie kaufte das Buch. Ihr Portemonnaie wurde leichter, doch merkwürdigerweise ihr Herz auch. Wie wenn es ihr sagen wollte: „Schön, dass du an mich denkst.“ Sie ging mit einem Lächeln auf den Lippen den Korridor längs zum Bahnhof.

Sie fuhr nach Hause, musste nun 30Minuten fahren um dann umzusteigen. In diesen 30Minuten vertiefte sie sich in das Buch. Und bam, bam, bam, eine Seite nach der anderen, sie wurde immer fassungsloser. Sollte es wirklich funktionieren? Sollte es wirklich so „einfach“ sein? Sich was wünschen, daran glauben und zack, das Leben ist schön???

Okay, liebes Universum, ich stelle dich jetzt auf die Probe. Du weisst, auf dem Nach – Hause – Weg muss ich umsteigen. Entweder ich nehme die Bahn, die knapp 5Minuten braucht um dann noch knapp 10Minuten zu laufen, oder ich nehme den Bus, der 10-15Minuten fährt, ich dann auch noch ein Stück laufen muss, aber vor allem muss ich auf den Bus geschlagene 10-15Minuten, manchmal 20Minuten warten…die Bahn ist meist immer gerade dann weg, wenn ich am Bahnhof ankomme, also echt blöd. Okay, also versuche ich heute die Bahn zu nehmen, wenn ich die erwische, glaub ich an dich. Wenn nicht, naja, dann war es zumindest ein netter Zeitvertreib.

Jenny stieg also aus, hechtete die Treppen zum anderen Bahnsteig hinauf und glaubte ihren Augen nicht, ihre Bahn stand da. Sie stieg ein und knapp 15Sekunden später gingen die Türen zu und die Bahn fuhr los. Konnte das sein? Konnte das wirklich sein? Die Bahn hatte da grad eine Störung in der Türschließung, deshalb stand sie länger als sonst auf dem Bahnsteig. Und Jenny hatte deswegen die Chance, die Bahn zu bekommen.

Doch Jenny hatte diese Chance vor allem deshalb, weil sie auf die Idee kam, es zu versuchen. Sie ging einfach hoch, sah die Bahn und sprang rein. Doch, dass sie lediglich ihre Chance wahr nahm, das sah sie in dem Moment nicht, es war für sie einfach nur Magie. Die Magie des: „Ich bestelle beim Universum diese Bahn zu bekommen und schwupps, da war sie. Mein Wunsch wurde erfüllt.“

Ein toller erster Einstieg. Als sie zuhause ankam, verschanzte sie sich in ihrem Zimmer und las das Buch noch an dem Abend durch. Die beste Investition, die sie sich vorstellen konnte…

Kleiner Nachtrag liebe Leser, Jenny, das war in dem Fall ich. Im Jahre 2005 geschah genau das mit mir. In dieser Form. Eine weitere witzige Anekdote ist, ich lebte zu dem Zeitpunkt in Frankreich, Paris (die teure Stadt) und die Bücher waren natürlich auf Französisch. „Bestellung beim Universum“ war von keiner Geringeren als Bärbel Mohr. Doch als ich das Buch kaufte, war mir nicht bewusst, dass das eigentlich eine Deutsche war. Der Name war auch komisch geschrieben, ich hielt sie für eine Amerikanerin. Erst als ich die Webseite, die am Ende des Buches stand, in meinen Computer eingab, stellte ich voller Freude fest, das ist ja auf Deutsch. Auch das Forum, so konnte ich meine Fragen und Sorgen in aller Ruhe loswerden.

Der Anfang eines großen Abenteuers ist getan

Nun ist das also der Anfang gewesen. Der Anfang, den viele so erleben. Und wenn man ausprobiert und herumspielt, dann geht es meist von der „leichten Hand“. Es ist eben toll, wenn es klappt, wenn es nicht klappt, na dann probiert man eben was anderes. Doch mit der Zeit, wenn es an wichtige Dinge, wichtige Ziele rangeht, dann läuft man Gefahr, sich zu verbeissen. Man will es unbedingt, ärgert sich, dass es nicht klappt, nicht wie man will, und probiert es nochmal, aber schon mit einem leichten Grollen im Magen. Und dann klappt es wieder nicht, und plötzlich befindet man sich in der Abwärtsspirale des sich bemühens, nicht schaffens, sich nicht Wert fühlens und eben die ganze Palette runter.

Wie erkennen Sie den Unterschied zwischen einfach sein und sich bemühen?

Wenn ich mich bemühe nett zu sein, oder ich bin wirklich nett. Woran erkenne ich den Unterschied? Wenn ich einen Menschen nicht mag, mich bemühe nett zu sein, tue ich nach außen hin so, als ob ich nett wäre, und in Wirklichkeit find ich ihn immer noch total ätzend (und früher oder später merkt er dies auch, da können wir noch so gute Schauspieler sein). Oder aber ich schaue ihn mir genauer an, nehme das an ihm wahr, das ich tatsächlich nett finde, und von diesem Standpunkt heraus kann ich vielleicht noch mehr Dinge finden, die ich nett finde. Ich merke also, so schlimm ist dieser Mensch ja gar nicht und wir verstehen uns besser.

Ich kann mich ernsthaft mit meiner Ernährung auseinandersetzen, mir bewusst werden, warum ich die Süßigkeiten in mich hineinstopfe, und dann an diesen Gründen arbeiten, damit ich es nicht mehr muß. Ich kann mir bewusst werden, wie toll es doch ist, Obst und Gemüse zu essen, jeden Tag weniger zu wiegen und mich mit dem Geschmack von Obst anfreunden. Oder aber ich kann oberflächlich mit jedem darüber reden, wie wichtig gesundes Essen doch ist, wie schlecht es doch ist, wenn wir uns von Zucker so abhängig machen, um dann, wenn die Tür daheim ins Schloss fällt, doch wieder den Kuchen, die Tafel Schokolade zu essen, „naja ich hab es ja versucht. Dann fang ich eben morgen wieder richtig an. Ganz bestimmt…“

Merken Sie den Unterschied zwischen dem „wirklichen sein“ und dem „stets bemüht sein“?

Harter Stoff, den man erst mal verdauen muss…

Puuhh, nun wenn Sie bis ganz zum Schluss gelesen haben, vielen vielen Dank. Ich weiß, es ist echt enorm viel. Nehmen Sie Abstand, gehen Sie kurz an die frische Luft, lassen Sie die gesamte Geschichte einmal sacken und dann kommen Sie nach 10 Minuten wieder und machen Sie sich an folgende Aufgabe heran:

Nehmen Sie einen Zettel und schreiben Sie auf, in welchen Bereichen Sie seit längerer Zeit ins Stocken geraten sind. Was meinen Sie, in wie fern sind Sie immer nur bemüht und wie können Sie etwas Leichtigkeit hereinbringen und einfach machen, einfach ehrlich und aus dem eigenen Herzen heraus handeln?

PS: „Jenny“ macht übrigens Fortschritte in ihrer Persönlichkeitsentwicklung, unter anderem durch dieses tolle System.

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